ÜBER MICH
Die Durchdringung und das Erfassen von Gestalt, Struktur, Beschaffenheit und Profil stehen im Mittelpunkt meines Interesses. Dies betrifft sowohl die mich umgebende gegenständliche Welt wie auch die Menschen darin. Soweit ich denken kann, habe ich niemals etwas anderes getan, als der Welt, die mich umgibt, mit immer gleicher Frage und nach Durchdringung suchenden Augen zu begegnen. Fast, als könne man, wenn man nur immer von neuem, die offene Frage in den Raum gestellt, intensiv und mit hoher Aufmerksamkeit und der passenden Brennweite den Gegenstand der Betrachtung anvisiert, das verborgene Geheimnis der Gestalt und Beschaffenheit lüften und die Grammatik der vorgefundenen Komposition erfassen.
Denken fängt mit sehen und mit erfühlen an. Ursprünglich löst die Wahrnehmung die ersten Reize und Impulse zum Denken aus. Die Plastik vereint in einzigartiger und wunderbarer Weise diese ursprünglichen und archaischen Komponenten. Der Reiz löst die Frage aus. Die erste Frage, die noch so oft und immer wieder gestellt, nie ganz, bis ans Ende unseres Lebens nicht, allumfassend und zur vollen Zufriedenheit beantwortet sein wird. Was ist das? Plastik ist Betrachtungsgegenstand und Körper, ist Gegenüber. Der Mensch auch. So sehr sich auch der Betrachter nach Durchdringung sehnt, nach Verbindung, nach Verschmelzung nach allumfassendem aufgehoben sein - die ersehnte Grenzüberschreitung, der Wechsel vom Außenraum zum Innenraum oder vom Ich zum Du und zum Wir, bleibt Illusion oder dem Erleben vorbehalten.
Architektur ist Plastik in erweiterter Dimension. Architektur ist Körper und Raum. Der Betrachtungsgegenstand lädt zur Durchdringung ein. Er ist begehbar. Wer der Aufforderung nachkommt und die Schwelle überschreitet, wechselt die Perspektive. Der Betrachtungsgegenstand wird zur Welt und der Betrachter steht im Mittelpunkt dieser. Er steht im Raum.



